Werke der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler
Elke Punkt Fleisch | Terri Frühling | Wolfgang Fuchs | Florian Krebs
Hanja Niederhammer | Rebecca Paterno | Elfriede Wimmer

Der Baby Success Club präsentierte die künstlerischen Werke seiner Mitglieder zum Thema Elternschaft, als Ergebnis eines durch das Mitbetreuungs-Rotationsprinzip des Clubs erfolgreich weitergeführten Schaffensprozesses.

Die Eröffnung war am 27. Mai 2015, 18 Uhr
Begrüßung: Mag. Irene Zauner-Leitner, Historikerin


Atelierhaus Salzamt Linz, Obere Donaulände 15, 4020 Linz
Ausstellungsdauer:
27. Mai bis 12. Juni 2015 _________________________________________________________________________

Elke Punkt Fleisch: Stillereien
(Keramik, Lack,Textil, Polsterfüllung, Stillhütchen)

Die Werkserie „Stillereien“ thematisiert die Ambivalenz des Stillens. Die kuscheligen, hautfarbenen Stillpolster verweisen auf die körperliche Nähe und Wärme, die durch das Stillen mit dem Kind entsteht. Eingebettet darin befinden sich Keramikobjekte, wofür ich die Zwischenräume abformte, an denen sich Baby und Mutter beim Stillen berühren. Die Brüste ließ ich dabei weg, als Zeichen dafür, dass mein Busen nur mehr funktionierte und ich ihn nicht mehr als Teil meines Körpers empfand.

Elke Punkt Fleisch: Auffangbecken II
(Keramik, Lack)

Du musst ... du sollst ... ich, an deiner Stelle würde ... es gibt nur einen Weg ... Wissenschaftlich bewiesen ... neueste Studien sagen ... Kaum steht eine Schwangerschaft bei einer Frau fest, wird sie von allen Seiten mit gutgemeinten Ratschlägen bombardiert. Sie mutiert innerhalb kürzester Zeit zu einem menschlichen Auffangbecken von sich teils widersprechenden Informationen. Der Druck auf eine Frau wächst mit jedem Tag, an dem die Schwangerschaft fortschreitet. Schließlich will frau für sich und ihr Kind nur eins: Einen bestmöglichen Start ins Leben und eine möglichst natürliche und traumafreie Geburt. Jede Frau geht damit anders um und wählt aus einer Unzahl von Möglichkeiten ihren eigenen Weg. Ich persönlich entschied mich für Yoga. Es handelt sich bei den Arbeiten um Abformungen meines Körpers in verschiedenen Yogapositionen. Die Objekte der Serie „Auffangbecken” stehen als Metapher für jene Zeit der Vorfreude auf meinen Sohn und jene stillen Momente im Auge des damaligen Informationsorkans.



www.elkepunktfleisch.at

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Terri Frühling: Ankunft
(Acryl auf Leinwand)

Die Geburt des ersten Kindes kann sich keine Frau vorstellen. Egal, wieviel sie gelesen, gesehen oder getan hat. Ein Krankenhaus bietet den Frauen vor, während und nach einer Geburt die höchstmögliche Versorgungsstufe. Persönliche, individuelle Unterstützung durch einfühlsame und kompetente Fachkräfte wird oft nicht erlebt. Die Geburt des eigenen Kindes gehört zu den intensivsten erfahrenen Momenten im Leben, die oft durch allzu effiziente Arbeitsweisen im Kreißsaal kaputt gemacht werden.  

Das Bild ist einerseits eine kleine Abrechnung mit dem Krankenhaus, mit dem nach Rauch stinkenden, kurz anwesenden Arzt, der Massenabfertigung, dem Unpersönlichen, dem Getrenntwerden vom Kind, dem Verunmöglichen von Intimität und dem Ausgeliefert sein. Andererseits verdeutlicht es auch die Unmöglichkeit einer Gleichstellung der Geschlechter in dieser abgeschlossenen Welt der Geburtsstation.



www.terrifruehling.at

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Wolfgang Fuchs: Wer hat an der Uhr gedreht?
(Uhren, Couchsessel)

Nach der Überwindung des postnatalen Eigenzeitdefizitschocks und des intensiv empfundenen Tickens meiner Lebensuhr hat sich langsam eine neue "Normalität" eingestellt. Ich kann meine Empfindlichkeit gegenüber akustischen Ereignissen wieder in sinnvolle künstlerische Bahnen lenken. Ganz leise geht das Ticken allerdings doch weiter...

Die Ausstellungsbesuchenden werden durch das Ticken von Wanduhren mit fehlenden Stunden- und Minutenzeigern dem Staccato des Sekundentaktes und der eigenen inneren Uhr ausgeliefert.



turntabling.firstfloor.org

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Florian Krebs: Lulabox (Lullaby in a box)
(Teddybär, Elektronik)

Die Lulabox ist die Rettung für alle Eltern, die die Melodien ihres Aufzieh-teddys nicht mehr hören können. Die Lulabox ist die Rettung für alle Kinder, die das beschränkte musikalische Repertoir ihres Kinderzimmers nicht mehr ertragen können.

Jedes beliebige Audioabspielgerät mit Kopfhörerausgang (iPod, Smartphone, MP3-Player, Tablet, ...) kann mit der Lulabox in eine Spieluhr verwandelt werden. Einfach das Gerät anschließen, das gewünschten Lied abspielen und schon fängt die Lulabox an zu spielen: Das Musiksignal wird im Computer in seine Bestandteile zerlegt, es werden Noten erkannt und diese dann schließlich mit einer gesampelten Spieluhr re-synthetisiert. So entsteht ein erweitertes Musikinstrument das den/die ZuhörerIn in eine Welt abseits gängiger Schlaf- und Wiegenlieder entführt.



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Hanja Niederhammer:
Fragmente einer Ratschlagkultur oder: Wenn Spuren nicht mehr spuren.
(A4 Papier, Lack)

Ein kleiner Mensch ist geboren. Sein Genom ist eine Baustelle, die von Umwelt und Kultur beeinflusst wird und das Erbgut verändert. Mein Kind als genetische Spur meiner Selbst ist ideelles Auffangbecken meiner eigenen kulturellen Prägung. Elternratgeber sind ein Sammelsurium dieser Ideen. Sie vermitteln Ratschläge und schreiben Erziehungswissen fest. Damit unsere Spuren spuren.

Die Form des Schwebens einzelner Zitate demonstriert die Speicherung von gelesenem Inhalt als Textbruchstücke, die sich aus der Erinnerung hervorholen lassen und sich wie Abdrücke in mir einprägen. Mein Kind und ich sind „gestempelt“ vom Erziehungswissen meiner Zeit.



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Rebecca Paterno: Doppelbett
(Holz geölt, Matratzen, Bettzeug)

Durch die Geburt meines Sohnes bekam das Bett eine ganz neue Bedeutung für mich. Viele Stunden verbrachten wir darin. Kuschelig, warm, selig-schlafend. Ein Ort der Ruhe und der Erholung. Es gab aber auch Nächte, die verzweifelt, verschwitzt und schlaflos waren. 

Der Ambivalenz der Gefühle zwischen Freud und Leid, Freiheit und Abhängigkeit, Hoffnung und Sorge, Geborgenheit und Einsamkeit soll diese Arbeit gewidmet sein.



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Elfriede Wimmer: The end of cosy cocooning
(Foto auf Leinwand) / Bild links

Das Ende vom "cosy cocooning" fürchte ich, kann manchmal in der Isolation des Familienglücks Luftschloss sein.

Elfriede Wimmer: "olymp de gouges", das Ende eines "Dirndls", Erinnerung an die franz. Revolution
(Textil, Bilderrahmen) / Bild rechts

Das ausgestellte "Fragment" eines Dirndlkleides habe ich bei der Mostpresse in der Wagenhütte am Bauernhof meiner Eltern gefunden. Meine Mutter hat es vor über 40 Jahren genäht und getragen. Mein Vater hat beim Reparieren der Mostpresse einen "Fetzen"gebraucht, diesen gefunden und sich die ölverschmierten Hände daran abgewischt.

Überraschenderweise müssen viele Mütter aller Generationen noch immer und immer wieder um ihre Freiheit, Gleichheit, "Geschwisterlichkeit" in ihren Partnerschaften, Lebensgemeinschaften kämpfen. Ich dachte immer, dass das alles schon selbstverständlich ist.



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Foto-Credits: Elke Punkt Fleisch, Terri Frühling, Norbert Tomasi, Viktor Köpruner, Rebecca Paterno, Wolfgang Fuchs
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